Laschet kontra Spahn / Wer vom Pferd erzählt
 
 
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Mittwoch, 21.11.18
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Trump buhlt um Saudis  +  Laschet kontra Spahn  +  Wer vom Pferd erzählt
 
 
 
 
 
 
   
als „Dealmaker“ will Donald Trump in die Geschichtsbücher eingehen. Zum Beispiel kauft er Geschäftsvolumen und verkauft Moral. Sein jüngster Deal sieht vor, für 110 Milliarden Dollar an Militäraufträgen (Boeing etc.) und 340 Milliarden anderer Investments die Kritik an Saudi-Arabien möglichst klein zu halten. Die fast halbe Billion soll aus dem Wüstenstaat in die USA fließen, listet der US-Präsident in einem Statement auf, und stellt dafür schon mal im Mordfall Jamal Khashoggi einen Persilschein aus. Man werde nie alle Fakten kennen, sicher aber bleibe das saudische Königreich „unverbrüchlicher Partner“, erklärt er. Würde der Präsident auf seine CIA hören, käme er zum Schluss, dass der Mord von Kronprinz Mohammed bin Salman angeordnet wurde. Auch Schurkenstaaten können sich lohnen.  
 
 
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In Paris interessiert man sich für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Er redete kürzlich mit Präsident Emmanuel Macron sowie Finanzminister Bruno Le Maire und war Hauptakt bei unserem 5. French-German Business Forum in der französischen Hauptstadt. Im Handelsblatt-Gespräch fordert er nun mehr europäische Leader und kritisiert die Verengung der deutschen Politik auf das Thema Migration. Vor allem Parteifreund Jens Spahn, der CDU-Chef werden will, kommt schlecht weg: „Die Überbetonung der Migrationspolitik halte ich für falsch.“ Und die geforderte Abstimmung über den UN-Migrationspakt auf dem anstehenden Bundesparteitag lehnt Laschet auch ab: „Führung heißt, Entscheidungen zu fällen und dann offensiv zu vertreten.“   
 
 
 
 
   
Auf der gestrigen Regionalkonferenz der drei CDU-Chef-Aspiranten in Idar-Oberstein wurde Friedrich Merz erneut heftig beklatscht. Der Anwalt aus Arnsberg muss sein Engagement für die Weltfinanzmacht Blackrock so oft verteidigen (er ist Deutschland-Aufsichtsratschef), dass Blackrock-Gründer Larry Fink nun einmal ein paar Dinge von New York aus klarstellen will. Seine Firma preist er in einem Brief an die Deutschen als Treuhänder von Sparern an, der es gewissermaßen um die Demokratisierung der Geldanlage gehe. Dass Blackrock zum Beispiel Regierungen und Notenbanken berät, das führende Finanzanalyse-System vertreibt, und mit 6,4 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen eine der eindrucksvollsten Gewinnmaschinen des Finanzkapitalismus ist, spielt in dem PR-Papier weniger eine Rolle. Man fühlt sich an dunkle Felsen erinnert, die den Blick ein wenig verstellen.  
 
 
 
 
 
Die Bundeswehrreform wollte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach Erzählungen einst so röschen-farbenfroh gestalten, dass sie als mögliche Bundeskanzlerin infrage gekommen wäre. Diese Karriere ist kein Thema mehr, wohl aber die Art ihrer Ressortführung. Wie mächtig und geschäftig durfte – über verdeckte Aufträge – McKinsey werden, deren Ex-Beraterin Katrin Suder zur Rüstungsstaatsekretärin aufstieg? Nachdem der Bundesrechnungshof Vergabeverstöße moniert hat, muss von der Leyen morgen eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses bestehen. Grüne und Linke werfen ihr vor, ein „Buddy-System“ errichtet zu haben, analysiert unsere Nachrichtenstory. Aus der Union erhält die Ministerin so wenig Rückhalt, dass man an Heinrich Heine denkt: „Es gibt nichts Stilleres als eine geladene Kanone.“   
 
 
 
 
In einer Zeit, in der sich Journalisten – manchmal sehr eitel – als Markenbildner ihrer selbst begreifen, gibt es auch eine ganz andere Wahrheit: Das Team ist der Star. Auf die Geschichte kommt es an, nicht auf den Gestus. Sieben Kollegen haben jetzt für ihre Recherche zu Rüstungsgeschäften, einem Wirtschaftskrimi, den Hugo-Junkers-Preis 2018 erhalten. Der State-Street-Preis 2018 wiederum geht an zehn Handelsblatt-Mitarbeiter für ihr großes Onlineprojekt „Blockchain – die stille Revolution“. Und die Redakteure Sönke Iwersen und Volker Votsmeier schließlich sind seit Monaten dem Cum-Ex-Steuerbetrug auf der Spur. Für „Raubritter mit beschränkter Haftung“ sind sie für den angesehenen Deutschen Reporterpreis nominiert.
 
 
 
 
Wir setzen schon mal aufs falsche Pferd, nennen Ross und Reiter oder schauen einem geschenkten Gaul nicht ins Maul. Hippologie also begleitet unser Leben, und im Bundestag haben 25 Abgeordnete die Verbindung zu den Vierbeinern so stark gespürt, dass sie gestern den „Parlamentskreis Pferd“ gründeten. Über 5000 Jahre habe dieses Tier Fortbewegung und Transport, Landwirtschaft und Militär geprägt, nun wolle man über aktuelle Themen informieren und mit Gästen diskutieren, heißt es. Unter den vier Initiatoren ist Andrea Nahles, Besitzerin des Friesen-Wallachs „Siebke“, die in ihrer SPD derzeit nicht gerade sattelfest wirkt. Zum Nutzen des neuen Parlamentskreises wird sich mancher an einen alten Spruch des verstorbenen Genossen Hans Apel erinnern: „Ich dacht', mich tritt ein Pferd.“
 
 
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Und dann ist da noch Alexander Prokoptschuk, Generalmajor der russischen Polizei, der heute zum Chef von Interpol gekürt werden könnte. Anti-Putin-Aktivisten, die ins Ausland flüchteten, fürchten deshalb, bald von der internationalen Polizei-Organisation gesucht zu werden. Vier US-Senatoren formulierten in einer gemeinsamen Erklärung, das sei so, als würde man einen Fuchs mit der Aufsicht über einen Hühnerstall betrauen. Auch CDU-Politiker Norbert Röttgen stellt sich gegen Prokoptschuk. Die Wahl ist nötig geworden, nachdem der bisherige Interpol-Chef Meng Hongwei in seiner Heimat China wegen angeblicher Korruptionsvorgänge verhaftet wurde. „Der Fuchs bellt nicht, wenn er das Lamm stehlen will“, kommentiert William Shakespeare.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag.
Es grüßt Sie herzlich
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
 
 
 
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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