Leben als Exportweltmeister / Papst geißelt Sex-Missbrauch
 
 
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Dienstag, 21.08.18
 
 
 
 
VON HANS-JÜRGEN JAKOBS
 
Guten Morgen
liebe Leserinnen und Leser,
 
 
 
 
 
 
+  Deutschland in der Strom-Falle  +  Leben als Exportweltmeister  +  Papst geißelt Sex-Missbrauch
 
 
 
 
 
 
wenn eines Tages die Kanzlerin-Bilanz von Angela Merkel gezogen wird, führt kein Weg an zwei Ereignissen vorbei: der Hilfe für Geflüchtete und dem Atomausstieg. So mutig beide Entscheidungen waren, so mangelhaft war die nötige Nachsorge. Beispielsweise fehlt es nun an Stromleitungen und Speichern, um den vielen Ökostrom auch bundesweit zu nutzen. Kapazitätsprobleme könnten die Folge sein, wenn demnächst Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, warnt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Zugleich zahlen die Deutschen die höchsten Strompreise in Europa. Die würden beim Kohle-Exit bis 2040 um fast 20 Prozent steigen, ermittelt eine vom Handelsblatt zitierte Studie. Mehrkosten für die Verbraucher von 2020 an: monströse 29 Milliarden Euro.
 
 
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Es gibt nüchterne Zahlen, deren brisante Folgen leicht zu prognostizieren sind. Zum Beispiel der abermals hohe Überschuss der deutschen Leistungsbilanz, die stolze Dokumentation der Exportkraft also. Die 299 Milliarden Dollar, die das Ifo-Institut für 2018 erwartet, bedeuten zum dritten Mal hintereinander Weltrekord. Und die USA des erklärten Handelskriegers Donald Trump? Werden demnach ein Defizit von knapp 450 Milliarden Dollar haben. In dieser Lage will Trump partout noch vor den Kongress-Zwischenwahlen im November eine handelspolitische Einigung mit Europa, sprich Unterwerfung. Doch so viele Chevrolets und Sojabohnen können wir gar nicht kaufen, um dieses Loch wirklich zu schließen.   
 
 
 
 
Die harsche US-Politik gegen den Iran wirkt wie ein außenpolitischer Quirl. Einerseits ziehen sich Firmen westlicher Länder aus Angst vor Sanktionen durch Washington zurück, andererseits aber bauen sich neue Iran-Unterstützer auf. So nähern sich China und der Mullah-Staat jetzt in geradezu romantischer Hochstimmung an. Öl kommt mittlerweile fast ausschließlich über Tanker der iranischen Staatsreederei NITC in die Volksrepublik, sogar die Versicherung von Fracht und Schiffen soll von Teheran garantiert sein. Langfristig will China ohnehin seine Öl-Importe in Yuan und nicht mehr in Dollar bezahlen, frei nach Konfuzius: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“
 
 
 
 
Die FDP-Ära als wirtschaftliche Lobby-Partei in Reinkultur ist unter Christian Lindner schon länger zu Ende gegangen. Nun wird wieder, wie früher, ein Faible für Bürgerrechtsthemen deutlich. So legen die Liberalen Verfassungsbeschwerde gegen den Einsatz von Sicherheitssoftware („Staatstrojaner“) auf dem Privat-PC ein. Deutschland sei an die „Grenzen eines Überwachungsstaates“ gerückt. Und weil es so schön ist, marschierten die Altlinksliberalen Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger unisono bei der Pressekonferenz in Berlin ein. Selten war Nostalgie so produktiv.
 
 
 
Von „Gräueltaten“ und einer „Kultur des Todes“ schreibt Papst Franziskus: Starke Worte nach der Enthüllung eines jahrzehntelangen Missbrauch-Skandals in der katholischen Kirche des US-Staats Pennsylvania. Mehr als 300 Priester hatten sich an über tausend Kinder vergangen. In einem Brief an alle Christen bittet der CEO der herausgeforderten religiösen Globalisierungsmacht nunmehr „mit Scham und Reue“ um Vergebung für eigenes Versagen. Der Schrei der Opfer sei stärker gewesen „als die Maßnahmen all derer, die versucht haben, ihn totzuschweigen“. Zorn ist hier, wie bei Thomas von Aquin, Voraussetzung für den Mut.
 
 
 
 
Im Rausch der Spiele: Am heutigen Dienstag beginnt die Messe Gamescom in Köln, eröffnet von Digitalminister-Darstellerin Dorothee Bär (CSU), die sich künftig in der Bundesregierung für eine maximale Förderung der Branche einsetzen will. Das Spektakel am Rhein dürfte insgesamt eine halbe Million Besucher anlocken. Zum Gamescom Congress am Mittwoch vergibt der Handelsblatt-Club zwei Karten. Wer sich bis heute zehn Uhr bewerben will, schickt mir einfach eine Mail an jakobs@morningbriefing.de. Das Los entscheidet.
 
 
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Und dann ist da noch Markus Söder, seit jungen Jahren Politprofi und erfahrener Kampagnen-Chef. Umso unbegreiflicher, dass für seinen aktuellen vollmundigen CSU-Landtagswahlkampfslogan „Söder macht's“ offenbar niemand in der Helferriege des bayerischen Ministerpräsidenten die entsprechende Domain im Internet sowie die adäquaten Accounts bei Facebook und Twitter sicherte. So sind da jetzt unter „soeder-machts.de“ einige von der SPD platzierte deftige Unfreundlichkeiten zu lesen. Söders allzeit demonstrierte Bayernliebe („Ich bin der Markus, und dort bin ich daheim“) hat somit eine leicht satirische Note bekommen.

Ich wünsche Ihnen einen unfallfreien Tag. Es grüßt Sie herzlich  
 
 
 
 
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor
 
 
 
 
 
 
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Autor des Morning Briefing-Editorials: Hans-Jürgen Jakobs
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